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letzter Beitrag von Kleinlok am

Die Mitleidsindustrie

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  • Es gibt weltweit 37.000 Hilfsorganisationen mit einem jährlichen Budget von $120 Mrd.

    Die Journalistin Linda Polman war viel in den Krisenherden der Welt unterwegs und hat in und hat in ihrem Buch "Die Mitleidsindustrie " Erschreckendes und moralisch Problematisches zutage gebracht über die Arbeit von Hilfsorganisationen.


    Zitat

    Die 50-jährige Journalistin, die seit mehr als 20 Jahren von den Krisenschauplätzen der Welt, vor allem aus Afrika berichtet, schaut hinter die Kulissen der internationalen Hilfsorganisationen. Diese gelten automatisch als die Guten, doch Polman entdeckt, dass sie in vielen Kriegs- und Katastrophen nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems sind. Sie beschreibt vor allem die Hilfseinsätze in Darfur, im Kongo und in Sierra Leone


    Die Kapitel heißen Goma. Die 'totale ethische Katastrophe' , Humanitäre Hilfe als Kriegswaffe oder Flüchtlingskrieger . In ihnen beschreibt Polman das Dilemma: Sie brauchen von Menschen oder der Natur verursachte Katastrophen, um ihre Arbeit zu finanzieren. Sie müssen Mitleid in den Geberstaaten erwecken, die Plakate mit den ausgemergelten Kindern mit den großen Augen in die Fußgängerzonen hängen. Es sind so viele Organisationen, die ihren Teil vom großen Spendenkuchen abhaben wollen.


    Krieg ist gut fürs Geschäft dieser angeblichen Mitleidsindustrie, schreibt Polman. In den Einsatzgebieten kooperieren sie mit Kriegsparteien, verschwenden Geld und ziehen irgendwann einfach weiter. "Rettungssöldner", hätte Polman ihr Buch auch nennen können. Tief schwarz pinselt sie ihr Bild der NGOs. Und das letzte Kapitel, das Nachwort, trägt den Titel: Stellt ihnen Fragen . Und das ist dann auch alles, was Linda Polman ihren Lesern mit auf dem Weg gibt. Stellt den NGOs Fragen. Dass sie damit enttäuscht, weiß die Autorin selbst.


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    In diesem Thread kann (und sollte) der Frage von Sinn und Unsinn des Engagements von Hilfsorganisationen nachgegangen werden. Angesichts der vielen Verwerfungen in diesem Bereich sehe ich das als wichtig.

  • Viele Hilfswerke bedienen mit ihrer Arbeit und ihrer Spendenwerbung blinde politische Flecken.

    Gerade die Spendenaufrufe, mit denen sie sich in Deutschland an ein vermutlich vorwiegend kleinbürgerliches Publikum wenden, das sich in fortgeschrittenem Alter befindet, kommen zumeist entpolitisiert daher und setzen auf den Mitleidsfaktor. Bilder von armen Kindern, die den um eine Spende gebetenen Menschen entgegenblicken, sollen deren Spendenwilligkeit erhöhen bzw. provozieren. Unterschwellig oder direkt wird suggeriert, dass das Schicksal solcher Kinder unmittelbar von der erbetenen Spende abhinge. Auf die eigentlichen Ursachen, die für die Armut, das Elend bzw. die Perspektivlosigkeit verantwortlich sind, die den Alltag dieser Kinder bestimmen, wird so gut wie nie eingegangen.


    Ich sehe diese Vorgehensweise als unehrlich und unfair gegenüber denjenigen, denen geholfen werden soll und denjenigen, die mit ihrer Spende diese Hilfe unterstützen sollen. Letztendlich sehe ich diese Hilfspolitik als ungenügend um die Lebenswelt solch armer Kinder umgassend und nachhaltig zu bessern. Mit dieser Politik bleiben die Ursachen und damit Armut und Elend bestehen und es wird oft nur das damit verbundene Lied gemildert bzw. nur in Einzelfällen eliminiert. Das ist zu wenig, denn es könnte besser gehen.

  • Viele Hilfswerke bedienen mit ihrer Arbeit und ihrer Spendenwerbung blinde politische Flecken.

    Ich möchte Beispiel nennen, das zwar aus dem Jahr 2016 stammt, das aber den oben benannten Vorwurf m.E. belegen kann und 4 Jahre später in 2020 leider nach wie vor aktuell ist.


    Am 13.10.2016 erhielt ich dieses Schreiben der UNO-Flüchtlingshilfe:



    Ich antworte am 13.10.2016 (ich habe den ursprünglichen Text etwas stilistisch aufgebessert, sinngemäß wird der alte Inhalt korrekt wiedergegeben).


  • Ein nicht unerheblicher Teil der vielen in Deutschland üblichen Spendenbettelei lässt eine unehrliche und unlautere Geschäftspolitik erkennen.


    a) Viele Spendenaufrufe setzen auf Emotionen und verweigern eine ehrliche sachlich dienliche Information

    b) In Folge wird auf die Ursachen der Probleme, die da mit Hilfe der Spenden bekämpft werden sollen, so gut wie nie eingegangen. Fast alle Spendenaufrufe kommen völlig entpolitisiert daher und behandeln ihre Adressaten wie unmündige dumme Bürger/innen.

    c) Den Spendern wird suggeriert, wie sehr es auf deren Spende ankäme, das teils so dreist, dass sich schlecht fühlen soll,. wenn wer nicht spendet.

    d) um möglichst viele Menschen zu einer dann möglichst großen Spende zu bewegen,setzen viele Organisationen auch unlautere Methoden.ein ( z.B. indem sie Adressen kaufen, die mit unseriösen Gewinnspielen generiert werden).


    Hier kann eine Tradition der politischen Unmündigkeit erkannt werden kann, wie sie für undemokratische und nicht egalitäre Systeme sowie die Kirchen seit Jahrhunderten nur typisch war und (noch) ist. Der gewünschte unmündige Bürger soll artig spenden, auch wenn er nicht unbedingt besonders begütert daher kommt, während profitsüchtige Konzerne und Kapitaleliten ungestört weiter die Welt zerstören und die elementaren Interessen von großen Teilen der Weltbevölkerung missachten.Der politische Protest soll klein gehalten werden, dem Normalbürger soll die Verantwortung eingeredet werden, die die wirklich Mächtigen nicht wahrnehmen= Die Mitleidsindustrie via organisierter Wohlfahrt als Hofschranze einer höchst ungerechten Politik.


    In den folgenden Beiträgen wird versucht, dies an Beispielen zu verdeutlichen.

  • Ein nicht unerheblicher Teil der vielen in Deutschland üblichen Spendenbettelei lässt eine unehrliche und unlautere Geschäftspolitik erkennen.


    a) Viele Spendenaufrufe setzen auf Emotionen und verweigern eine ehrliche sachlich dienliche Information. (...)

    Hier ein Beispiel für einen Spendenaufruf, der zu 95% auf einpolitiserte Emotionen setzt:



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Link zu sehen.



    Nicht mit einem Wort wird hier auf die politischen Ursachen der Benachteiligung von Kindern respektive Mädchen eingegangen. Dabei lassen allein die beiden erste Sätze dieses Bettelbriefes aufhorchen:


    "Als Mädchen in einem Entwicklungsland geboren zu werden, bedeutet für viele von ihnen lebenslange Armut und Chancenlosigkeit. Denn in vielen Ländern werden Mädchen immer noch diskriminiert und benachteiligt."


    Ich sehe hier folgende Fragen relevant:


    1. Warum gibt es immer noch Länder auf dem Stand von Entwicklungsländern?

    2. Was sind die Gründe dafür, dass Mädchen, die in einem Entwicklungsland geboren werden, oft in lebenslanger Armut und Chancenlosigkeit leben müssen?

    3. Warum werden in vielen Ländern Mädchen immer noch diskriminiert und benachteiligt?


    All diese Fragen werden in der Spendenbettelei nicht wirklich behandelt, die Welt ist schlecht, aber mit dem Geld von artigen Kleinbürgern wird sie vielleicht etwas besser. Vielleicht, vielleicht oder auch nicht so wirklich...


    Dieses Spiel läuft seit über 50 Jahren und immer noch leiden Menschen weltweit, wie lange soll das verdammt noch mal so bekloppt weitergehen?


    Es ist unheimlich feige wie hier einseitig an das Gewissen der mit dieser Werbung zugetexteten Menschen appelliert wird, ohne auch nur im Ansatz auf (die möglichen!)politischen Lösungsansätze der benannten Probleme einzugehen. Da können eigentlich alle nur depressiv werden. Keinen Bock mehr auf so einen Mist.

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